Das bisschen Untergang macht sich von allein

Kollaps: warum Gesellschaften überleben oder untergehen von Jared Diamond – eine Empfehlung von Sonja Ohly.

Man hört ja laufend, dass wir unseren eigenen Lebensraum ruinieren, durch Entwaldung, Überfischung und Umweltverschmutzung. Man hört von Klimarahmenkonventionen, dem Kyoto Protokoll, an das sich einige Staaten nicht halten, und schaut sich Al Gores Film über Erderwärmung an. Überall herrscht ein bisschen Untergangsstimmung für die Menschheit.

Warum Kulturen scheitern war bis 2005 auch nur durch Geschichtswissenschaftler erklärt. In „Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ betrachtet der Physiologe und Evolutionsbiologe Jared Diamond Hochkulturen, die sich durch die Übernutzung der Umwelt und durch falsche Reaktionen auf Umweltveränderungen selbst zerstören, und zieht Parallelen zur Welt, wie sie heute ist.

Er beschreibt als erstes seine Wahlheimat Montana und die Umgestaltung durch die aktuelle Umweltpolitik in diesem US-Bundesstaat. Danach widmet er sich detailliert den Gründen für den Untergang der Polynesier und deren rätselhaften Moai-Statuen auf der Osterinsel, den Wikingern und ihrem Versuch Grönland zu besiedeln, den Anasazi in Nordamerika und den Mayas und ihren zerfallenden Pyramiden in Yucatan.

Fünf Gründe sind Diamonds Meinung nach für das Scheitern von Gesellschaften verantwortlich: Klimaveränderung, Umweltschädigung und falsche Bodenbewirtschaftung, Überbevölkerung und feindliche Nachbarn, fehlende Handelspartner und letztendlich die Reaktion der jeweiligen Gesellschaften auf ihre Umweltprobleme.

Diamond berichtet aber auch von guten Beispielen: Wie Gesellschaften, trotz ungünstiger Voraussetzungen, durch Anpassung überleben konnten; als Beispiel führt er die gelungene Aufforstung Japans durch die Shogun an. Aus seinen Recherchen versucht Diamond Erkenntnisse für die Gegenwart zu ziehen und gibt unseren heutigen Gesellschaften Handlungsempfehlungen, die ökologische Situation der Erde positiv zu beeinflussen.

Ich habe das Buch im Original (Collapse: How societies choose to fail or survive, 2005 Erstausgabe) gelesen und deshalb etwas länger für die 540 Seiten gebraucht. Am Anfang ist es ein wenig langatmig, aber die Erklärungen, Fakten und das Detailwissen über die untergegangen Kulturen, die mich besonders interessieren, wiegen das schnell wieder auf. Es ist ein sehr umfassendes Buch und eine absolut interessante, immer noch hochaktuelle Lektüre.
Ich empfehle das Buch jedem, der sich für Anthropologie und Umweltschutz interessiert.

Foto: Pixabay.

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