Männerfreundschaften: Kein Grund zur Panik

Echte Männerfreundschaften sind selten! Sagt zumindest unser Gastautor, der ein ganzer Mann ist. Und Lutz sollte es wissen, er ist schon ein paar Tage auf der Welt. Was zu einer guten Freundschaft gehört, warum Männer vorsichtiger und Frauen ehrlicher sind, das erzählt er uns im folgenden Beitrag. Und auch, dass man für Krisenzeiten vorsorgen sollte!

Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt..
Heinz Rühmann im Film „Die drei von der Tankstelle“, Berlin 1930

Da hat der Rühmann natürlich Recht und wahrscheinlich würde dem jeder Mann zustimmen. Echte Freundschaften sind ein Schatz. Bei Männern sind sie selten, fast wie ein Sechser im Lotto.

Vor 10 Jahren, just an meinem Geburtstag, habe ich so einen alten Freund verloren. Schlaganfall, nach drei Tagen war es vorbei mit ihm. Das legt sich wie Mehltau über einen Tag, der eigentlich ein Freudentag sein sollte und sich nun in einen Tag der stillen Trauer verwandelt hat. Ein toter Freund ist ein Loch fürs Leben.

Lebenslange Freundschaften schließen Männer wie Frauen. Ich habe zum Beispiel seit 60 Jahren einen guten Freund noch aus Grundschulzeiten. Aber es gibt auch Freunde, die kommen und gehen: Schulfreundschaften, die Kumpels von der Uni, aus dem Sportverein, jedes Alter hat seine Begleiter. Erkaltete Freundschaften verkümmern und werden schließlich aussortiert, neue kommen hinzu. Das ist der Lauf der Welt, kein Grund zu hadern. „Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen“, das wussten schon die alten Römer.

Zu einer guten Freundschaft gehört auch, dass man den anderen mal in eine neue Richtung sausen lässt, sich also mal aus den Augen verliert. Aber gute Freunde finden irgendwann auch wieder zusammen.

So ist es mir jedenfalls ergangen. Jetzt, da meine Altersgenossen Rentner sind wie ich, haben wir auch wieder mehr Zeit füreinander. Also kein Grund zur Panik, wenn es mal nicht mehr ganz so eng ist. Es kann wieder werden.

Maennerfreundschaften_ohfamoos_smallFreundinnen pflegen wahrscheinlich einen intimeren Austausch. Männer sind da vorsichtiger, sie erzählen sich nicht alles und sind trotzdem gute Freunde. Ein Grund könnte sein, dass sie ja immer irgendwie auch Konkurrenten sind („Mein Haus, meine Auto, meine Yacht, ich hab den Längsten etc…) das kennt man ja. Wichtigtuerei, Schönfärberei, mit schlichten Wahrheiten tun sich Männer manchmal schwer. Aber guten Freunden kann man nichts, fast nichts, verheimlichen, Sie wissen – oder ahnen zumindest – alles. Da braucht es nicht viele Worte.

Was es deshalb unter Männern häufiger gibt, sind diese peinlichen Pausen im Gespräch, in denen keiner was sagt. Themen gäbe es genug, aber man muss nicht immer alles an- und aussprechen.

Ich glaube, dass Frauen weniger darauf achten, ihr Gesicht zu wahren. Mir scheint, dass sie ehrlicher sind und weniger Angst vor der Wahrheit haben.

Ein merkwürdiges Phänomen ist, dass Männer wie Frauen im Alter kaum noch enge Freundschaften eingehen. Freunde fürs Leben finden sich meistens in den Phasen des Aufbruchs, in der Ausbildung, Schule, Uni, Praktikum. Danach wird es immer schwerer, Freundschaften zu schließen. Woran liegt das? Vielleicht brauchen Freunde und Freundinnen gemeinsame Erlebnisse und Prüfungen auf dem Weg zum Ich, Zeiten von Sturm und Drang und Eroberung der Welt.

Wenn man sein Plätzchen gefunden hat, wird es ruhiger. Wer sich etabliert, kümmert sich mehr um Beruf, um Kinder und den Partner. Aber wohl dem, der für Krisenzeiten vorgesorgt hat. Denn dann sind Freunde unersetzlich. Und damit wären wir wieder bei Rühmann: „Ein Freund, ein guter Freund…(siehe oben)“.

Lutz Spenneberg, früher Profischreiber (Redakteur, Reporter, Autor), heute Rentner. Der gebürtige Münsterländer lebt mit seiner Frau, einer Journalistin, in München. Für ohfamoos schreibt er als Gastautor, wenn ihm danach ist.

Text: Lutz Spennenberg
Foto: Pixabay

3 Gedanken zu “Männerfreundschaften: Kein Grund zur Panik

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