Es läuft viel schräg in unserer Gesellschaft!

Manomama_Sina-Trinkwald_Soziales-Engagement_mall„Ich spreche oft für die, die selber keine Kraft mehr zum Reden haben“, sagt Sina Trinkwalder, Gründerin von manomama in Augsburg und gefragte Interview-Partnerin auf allen Kanälen. Ihr Textilunternehmen, das auf Nachhaltigkeit setzt, ist im besten Sinne erfolgreich: Es vereint wirtschaftlichen Erfolg und soziales Engagement. Dass die Augsburgerin dafür im letzten Jahr das Bundesverdienstkreuz angesteckt bekam, nimmt sie gelassen. Eine uneitle Kämpferin mit bemerkenswertem Engagement.

Sina Trinkwalder redet eloquent und wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Tacheles eben. Wenn’s um Politik und „ihre Ladies“, wie sie ihre rund 150 Mitarbeiter_innen nennt, geht, dann wird sie vehement.

Die Politik versage komplett, sie schweige gesellschaftlich brisante Themen einfach tot. Es laufe so viel schräg in unserer Gesellschaft.

Unternehmerin, die sich was traut

Sie erzählt von einem Austausch mit dem bayerischen Staatssekretär für Soziales Markus Sackmann: Der rümpfte die Nase ob ihrer Personalpolitik – bei manomama arbeiten überwiegend ehemalige Arbeitslose, die ansonsten kaum einer eingestellt hätte. Er begründete dies mit fehlender Relevanz für seine Statistik. Völlig unverständlich für eine Frau wie Sina: Wenn arbeitssuchende Frauen nicht in der Statistik erscheinen, dann existierten sie ja dennoch – als reale Schicksale, müpft sie auf.

Wann immer sie sich für die vielen stark macht, die keine Kraft mehr haben oder noch nie eine Stimme hatten, hat sie das Gemeinwohl und die Gemeinschaft im Sinn. Also kümmert sie sich z. B. um die sogenannten Altersarmutsopfer und engagiert sie, betitelt sich dabei als Arbeitskraftnehmerin. Ganz ohne großes Bewerbungsbrimborium.

„Mensch ist Mensch. Für jeden Menschen ist in unserer Wirtschaft Platz“, sagt Sina, und fordert zudem: „Arbeitgeber müssen umdenken und Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegnen!“

Übrigens: manomama ist komplett hierarchiefrei. Damit zeigt Sina, dass sie nicht nur redet, sondern macht. Und dass sehr wohl geht, was viele als unmöglich bezeichnen. Dass sie sich zudem für die Schutzsuchenden, ihre Formulierung für Flüchtlinge, einsetzt, ist dann nicht mehr überraschend sondern nur konsequent. manomama produziert Erstlingsausstattungen für Babys. Als Spende, versteht sich.

Manomama_broschuere_ladies_SmallKein Bock auf Heldentum, aber auf kluge Fehler

Sina Trinkwalder fragt eben nicht nur, sie ist eine mit hands-on-Mentalität. Auch deshalb appelliert sie eindringlich, Verantwortung zu zeigen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „Lieber mal einen Fehler machen und scheitern“, so ihr Credo. „Dann habe ich zumindest in der erfolgreichen Zeit gezeigt, was geht und meinen Beitrag geleistet.“ Sie sei eine Kämpferin, hat ihr vor kurzem ein Brigardegeneral aus der Schweiz attestiert. Sie zitiert ihn in herrlich schweizerischer Mundart: ‚Ein Kämpfer weiß, was er tut und unternehme alles in seiner Macht stehende, um etwas zu ändern. Ein Held dagegen sei ein Vollidiot auf dem Feld. Er will einen retten und bringt 100 andere in Gefahr, hat am Ende einfach Glück gehabt.“ Als Heldin wurde sie jüngst tituliert und zierte sich, denn so sieht sie sich nun wirklich nicht!

Bei allem, was sie auf die Beine stellt und wofür sie ihren Mund aufmacht, will auch sie wohl erfolgreich sein. Doch, halt! Über Erfolg, der gemeinhin für Anerkennung, Euronen und Status steht, sagt sie:

„Erfolg ist mir persönlich scheißegal!“

Sina_michael_schrenk_smallUnd ihr Mann, den ich spontan fragen konnte, meint: „Erfolg bedeutet für Sina, wenn sie für andere etwas bewegen kann.“ Als ‚Mädchen für alles’ bezeichnet sie ihre Position bei manomama und zeigt einmal mehr, dass sie dieses Karrieregedöns im klassischen Sinne längst hinter sich gelassen hat. Sich für weniger Schräglage in unserer Gesellschaft so tatkräftig und lautstark einzusetzen, das zeugt von Herzenswärme und Klugheit. Ohfamoos eben!

Cornelia telefonierte mit Sina und bat sie zum Abschluss, fünf Sätze fortzuführen:

  1. Unternehmerin zu sein bedeutet: etwas zu unternehmen!
  2. Gute Führung braucht: Herzenswärme!
  3. Als Frau und Mutter fordere ich: Fähigkeiten, Talente und Disziplin!
  4. Politik ist: etwas für Menschen, die es in der freien Wirtschaft nicht geschafft haben.
  5. Ein guter Tag ist für mich: wenn er morgens mit einem guten Kaffee beginnt.

„Wir können die Welt nicht verändern, aber jeden Tag ein bisschen besser machen.“

Sina Trinkwalders „manomama“ ist, so preist sie der Verlag, „der Schrecken des Arbeitgeberverbandes, Thema der Medien, Wunschtermin der Politiker ­– und Sina Trinkwalder ist der Liebling ihrer Näherinnen.“ (Droemer Knaur)

In ihrem Buch „Wunder muss man selber machen“ hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben.

Die Idee zu manomama

Sina Trinkwalder, Jahrgang 1978, ist Mutter eines 10jährigen Sohnes und leitetet als Unternehmerin zusammen mit ihrem Mann 13 Jahre eine Werbeagentur. Und das wäre auch die nächsten Jahrzehnte weitergegangen, hätte es bei ihr nicht „Klick“ gemacht. Gewöhnlich liegt einer Unternehmensgründung eine neue Produktidee oder eine innovative Dienstleistung zugrunde. Dazu sucht man sich dann die geeignete Mitarbeiterschaft und führt das Vorhaben zum Erfolg. Bei manomama ist es anders. Die Idee war und ist der Mensch. „Mensch, lass uns doch etwas machen, wo wir Menschen, die sonst jede Firma ablehnt, eine Chance geben, ihren eigenen Erwerb zu erwirtschaften und damit wieder Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen“, sagte Sina. Herauskam etwas, was heute die Kollegen und Kolleginnen „Familie“ nennen, Lieferanten und Kunden „Freunde“ und Sina „Lebensaufgabe“: manomama. www.manomama.de

Foto Sina Trinkwalder: Michael Schrenk
Foto Belegschaft: manomama GmbH

4 Gedanken zu “Es läuft viel schräg in unserer Gesellschaft!
    • Liebe/r anonymer Schreiber/in, wir haben bei manomama nachgefragt. Infos zur Sache werden sicher folgen. Ohfamoose Grüße!

    • Ich wünsche mir sehr, dass Behauptungen – welche auch immer – hier nicht anonym gesendet werden. Man kann (fast) alles fragen/besprechen, aber bitte Ross und Reiter nennen, oder gibt es einen Grund warum das nicht geschieht in diesem Fall?

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