Ohrfeige – ein Flüchtling dreht durch

Das Flüchtlingsthema habe ich ja schon mehrmals beleuchtet, aber was wissen wir eigentlich über den Alltag eines Flüchtlings? Die meisten von uns wohl nicht viel. Deshalb möchte ich auch dieses interessante Buch empfehlen. Ohrfeige heißt es, geschrieben von einem Flüchtling. Unter dem Titel konnte ich mir nicht viel vorstellen, erst der Klappentext ließ mich aufhorchen.

Als Karim Mensy von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit aber ist er mitten in der bayerischen Provinz. Und von hier wird er in den nächsten drei Jahren auch nicht mehr wegkommen. Karim muss sich eine neue Lebensgeschichte erfinden, kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte, lässt sich auf fragwürdige Freundschaften und abenteuerliche Liebschaften ein. Bis er plötzlich den Widerruf erhält und in den Irak abgeschoben werden soll. Karim Mensy steht wieder ganz am Anfang und muss sich einen neuen Schlepper suchen, und zwar einen der ihn aus Deutschland herausbringt.

Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?

Das Buch geht unter die Haut, denn es beschreibt den ungeschminkten und knallharten Alltag in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Eintönigkeit des Wartens, die Einsamkeit , die Langeweile, das Zusammenleben mit Fremden, den Frust und die Enttäuschung, wenn der Asylantrag abgelehnt wird. Es wird in Deutschland viel über Flüchtlinge geredet und geschrieben, aber ich kenne kein Buch das den wirklichen Alltag dieser Menschen so verdeutlicht.

Ein ganz ohfamooses Buch, das ich ganz vielen Deutschen ans Herz lege.

Abbas_Khider_OhrfeigeAbbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als »illegaler« Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman Der falsche Inder, es folgten die Romane Die Orangen des Präsidenten (2011) und Brief in die Auberginenrepublik (2013). Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis sowie dem Hilde-Domin-Preis geehrt. Abbas Khider lebt zurzeit in Berlin.

Hier gibt es weitere Informationen des Verlags zum Buch.

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