Monolog eines Maulhelden

Echt jetzt, war das ein spannender Austausch! Ein recht prominenter Leser hatte sich an der Meinung von Gastschreiber Michael Hoeldke gestört. Wir haben die zwei daraufhin miteinander in Kontakt gebracht – und sie haben sich wortgewaltig auseinandergesetzt. Ohfamoos! Leider dürfen wir den Wortwechsel nicht veröffentlichen, zu privat. Verstehen wir. Herausgekommen aber ist ein 2. Beitrag aus Berlin.

Jeder Mensch hat eine Meinung. Also fast jeder. Über kurz oder lang sollte man sich eine bilden. Eine eigene. Muss man ja haben, so eine Meinung. Leute ohne Meinung sind feige. Oder was meinen Sie?

Man muss sich nur ernsthaft für seine Meinung einsetzen. Schließlich ist das ein freies Land. Und Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden. Ein schöner Spruch, den hab ich mir gemerkt, den kann man bestimmt mal brauchen.

Zum Beispiel denke ich sehr sozial, das ist ja auch allgemein der Trend. Ausländerhass? Fremdenfeindlichkeit? Nicht bei mir!

Ich sage Ihnen: Null Toleranz! Ich kenn so viele Ausländer. Die können so nett sein. Die machen hierzulande vieles, was sonst keiner machen will.

Meine Perle z.B. ist aus Polen. So ordentlich. So fleißig. Und gar nicht teuer. Obwohl: Auf die Dauer geht das auch ins Geld.

Wo kämen wir denn da hin?

Ich habe einen Grundsatz: Menschlich sein. Und tolerant. Wer das nicht einsehen will, den lass ich erst gar nicht an mich ran. Da bin ich gnadenlos.

Ich schau mir jeden genau an, wie tolerant der ist, und wenn nicht, hat der keine Chance bei mir!

Mit solchem Gesocks will ich nicht in Zusammenhang gebracht werden, was sollen denn die anderen Leute denken? Ich will in Frieden leben. Mit allen. Niemanden ausgrenzen. Das heißt ja nicht, dass es nicht hier und da mal eine rote Linie geben soll. Jeder darf nun auch nicht alles, wo kämen wir hin?

Ich meine: Meinung ist ja nun nicht gleich Meinung. Was man so liest, steht oft gar nicht da, sondern nur versteckt:

Stichwort Political Framing! Also das mach ich ja nun gar nicht mit. Man stelle sich vor, ich sage was, und die anderen denken sich gleich was anderes dabei.

Das kann so schlimme Missverständnisse geben. Zum Beispiel das Wort Flüchtling: Wussten Sie, dass das Wort „Flüchtling“ durch die Endung „-ling“ zu etwas ganz schlimmem wird, ohne dass man’s merkt? Dabei ist das gar nicht so schlimm. Aber da fall ich nicht drauf rein! Denn das, was man sagt, ist ja nicht so wichtig wie das, was man tut:

Schließlich haben wir hier eine Willkommenskultur. Kann ich jedem nur empfehlen, und man vergibt sich nichts dabei, weil: Wenn ich sag, mir ist recht, daß Flüchtlinge kommen, heißt das ja nicht gleich: Zu mir.

Übrigens: Man sollte schon darauf achten, wem man seine Meinung sagt, und wann und wie, denn schließlich ist so eine Meinung Privatsache, und von Konflikten hat ja keiner was. Schließlich ist das Leben keine Comedy wie bei Harald Schmidt* und seinem Playmobil.

Die neuen Politiker wählen?

Zum Beispiel jetzt die neuen Politiker überall. Recht haben sie ja schon irgendwie, … aber ob das für die Meinung gut ist? Ich weiß nicht. Man kann die ja wählen. Das hat ja nichts mit mir zu tun. Was die sagen, ist deren Meinung, und die äußere ich nicht. Das gibt nur Ärger.

Und wenn ich meine Meinung klar sagen will? Dann besser privat. Aber nicht gegenüber jedem. Nachher meinen die Leute noch, ich denke wirklich so.

*Vieles von Harald Schmidt ist genial, ohfamoos finden wir seinen Ödipus-Komplex!

Ohfamoos-Gastautor Michael Hoeldke ist Musiker und er schreibt und produziert Radiosendungen über Musik. Er lebt in Berlin, seine Sendungen sind aber zurzeit vor allen Dingen im Hessischen Rundfunk zu hören.

Illu: Ela Mergels

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