Was Gelenke stark macht – Tipps eines Sportmediziners

Bewegung ist Leben und Leben ist Bewegung. So einfach diese Gleichung ist, so oft wird sie missachtet. Denn auch Leistungssportler und sportlich ambitionierte Menschen machen oft Fehler, gerade IN der Bewegung. Bewegungsmuffel erst recht. „Ich hab Rücken, meine Kniegelenke schmerzen…“, überall hört man Klagen. Muss man sich mit Arthrose, also Gelenkverschleiß, der das altersübliche Maß übersteigt, abfinden? Wie wichtig ist der pH-Wert? Für ohfamoos erklärt der Sportmediziner Prof. Dr. Oliver Tobolski, was uns und unsere Gelenke stark macht.

Glenkschmerzen, fit bleiben, Tipps fuer gesunde gelenkeArthrose bekommen nur die, die keinen Sport machen? Quatsch. Arthrose trifft gerade häufig die, die ihre Gelenke ständig überbelasten – durch unverhältnismäßige sportliche Betätigung, falsche Techniken, übermäßige Stoßbelastungen oder durch vorangegangene Operationen. Falsche Belastung oder zu hohes Körpergewicht sind weitere Risikofaktoren.

Jedes Kilogramm weniger ist für Knie und Hüften entscheidend. Oder anders gesagt: Je mehr Gewicht, desto eher kann es zu Abnutzungserscheinungen kommen.

Kommen Unfälle oder Operationen hinzu, kann es zu Fehlstellungen der Gelenke kommen, die schließlich auch zu einem höheren Risiko für Arthrose beitragen. Zudem sollten auch stets die Gene berücksichtigt werden: Ob man eine Veranlagung für Arthrose hat oder nicht, ist nicht selten genetisch bedingt.

Apropos Genetik: Kürzlich hieß es in einem Sport-Blog: „Jeder ist in der Lage, schnell, stark oder beweglich zu werden – unabhängig von der genetischen Veranlagung.“ Das ist natürlich stark vereinfacht, denn aus einem Brauereipferd machen wir keine Sprinter und aus einem afrikanischen Langstreckenläufer keinen 100m-Läufer. In Grenzen sind wir jedoch anpassungsfähig.

Körper von Giftmüll befreien

Je mehr wir uns bewegen, desto besser wird unser Knorpel ernährt – und die Knorpelzellen brauchen Gelenkflüssigkeit, da sie all ihre Nahrung über Diffusion erhalten. Die Bedeutung eines gesunden Zellmilieus ist besonders relevant, wenn es um Gelenke geht. Das Zellmilieu ist bei der heutigen Belastung durch Gifte und Schadstoffe jedoch oft verunreinigt, sodass ein wirklicher Austausch der Nährstoffe praktisch nicht möglich ist. Das trifft sogar zu, selbst wenn man noch so gute Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt.

Als Beispiel nutze ich gern das Auftragen einer reichhaltigen Anti-Falten-Creme auf die Gesichtshaut: Hier ist völlig unstrittig, dass man das Gesicht vorher gründlich wäscht, um es von Schmutzpartikeln zu befreien. Im Inneren unseres Körpers sieht es ähnlich aus.

Bevor wir also wertvolle Nährstoffe verschwenden, sollten wir unseren Körper von all dem „Giftmüll“ befreien, der sich über die Jahrzehnte angesammelt hat.

Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Arthrose haben, sollten ganz besonders darauf achten, dass sie ihren Gelenken einen guten Stoffwechsel ermöglichen.

Der pH-Wert und die Ernährung

Dafür ist der pH-Wert wichtig: so sorgt falsche Ernährung (zu viel Eiweiß, Fett, Zucker) dafür, dass dieser Wert fällt und der Organismus sauer wird. Damit reduziert sich der Stoffwechsel und alles wird langsamer, insbesondere die Fettverbrennung.

Es geht um ein sanftes „Hineinwalken“ der Gelenkflüssigkeit und der darin enthaltenen Nährstoffe in die Knorpelzelle. Wenn wir uns nicht bewegen und die Gelenke somit vollständig entlasten, führt dies dazu, dass die Knorpelzellen nicht weiter ernährt werden und der Absterbe-Prozess voranschreitet.

Oliver Tobolski, Gelenkschmerken, Arthrose, BewegungMein Fazit: Bewegung ist Leben und Leben ist Bewegung. Wenn wir dann noch genügend wichtige Nährstoffe zur Verfügung stellen reichen schon „normale“ tägliche Aktivitäten aus, um eine gute Versorgung sicherzustellen: Treppe statt Aufzug, Fahrrad statt Auto in der Stadt, S-Bahn eine Haltestelle vorher verlassen und den Rest zu Fuß gehen. 10.000 Schritte pro Tag!!

Prof. Dr. med. Oliver Tobolski praktiziert seit 2001 in Köln mit Schwerpunkt Sportorthopädie und Sporttraumatologie. 2017 arbeiten in seiner 2010 gegründeten Praxisklinik bereits weitere acht Fachärzte. Der Sportmediziner ist Professor an der deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Bei Sporthomotion, dem Zentrum für Bewegungsanalyse, werden Sportler so bewegt, dass sie neue Ziele erreichen können – mit der jeweils passenden, persönlichen Sport-Agenda.

Fotos: privat und unsplash (Aral Tasher)

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