Korsika – individuell reisen

Korsika fehlte bisher in meiner Sammlung ‚besuchte Mittelmeer-Inseln‘. Es stehen auch immer noch einige auf der ‚to see‘ Liste, aber mein Fazit nach Malle, Kreta, Kos uns Co. ist ganz eindeutig: Korsika ist geruhsamer, origineller, individuell und mein absoluter Favorit.

Es fängt mit der Anreise an. Von Deutschland ist man mit EasyJet in etwas mehr als einer Stunde schon am Ziel. Wir landen in Figari, einem der drei Flughäfen auf Korsika, im Süden der Insel. In weniger als 20 Minuten haben wir unser Gepäck und holen unseren Mietwagen ab. Von Reiseleitern der einschlägigen Reiseveranstalter oder großen Reisebussen keine Spur – sehr angenehm.

Kein Massentourismus

Nach unseren Pauschalreisen auf die Seychellen und nach Ägypten freue ich mich auf eine individuellere Reise, ohne riesige Hotelanlagen mit Speisesälen und Massenabfertigung bei der Schlacht am Buffet. Stattdessen haben wir uns bei Airbnb zwei schnuckelige Unterkünfte ausgesucht. Eine in Porto-Vecchio, an der Ostküste Korsikas, und die andere in Bonifacio, im Süden der Insel.

Porto-Vecchio macht den Anfang. Auf dem Weg dorthin (20 Min vom Flughafen) fällt mir schon auf, wie wenig besiedelt die Insel ist. Ab und zu ein Bauernhaus oder ein kleines Dorf. Ich sehe Schilder mit Agrotourisme und freue mich schon sehr auf die mediterrane Küche. Unsere Wohnung liegt in der Nähe der Altstadt und gehört Faby. Wir rufen sie an und die quirlige Korsin beschreibt uns den Weg. Dank Google Maps treffen wir auch zur verabredeten Zeit ein. Ich muss meine Ohren mächtig anstrengen, um Fabys Französisch zu folgen. Als sie jedoch merkt, dass wir nicht alles verstehen spricht sie ein bisschen langsamer und erklärt auch das Eine oder Andere auf Englisch.

Korsika-Porta-Vecchio-Frankreich-TauchenParlez vous francais?

Aber das war auch schon die Ausnahme. Ohne Französisch-Kenntnisse kommt man auf Korsika nicht sehr weit. Auch nicht unter Wasser. Im Tauchcenter sprechen alle Französisch. Das ist eine echte Herausforderung, denn unser Schulfranzösisch liegt doch schon ein paar Jahre zurück. Auch sind alle Info Tafeln, die wir gesehen haben, ausschließlich in französischer und korsischer Sprache. Bon alors 🙂

Porto-Vecchios Hafen mit der still gelegten Saline, der einzigen auf Korsika, ist hübsch, aber am besten gefällt mir die sehr viel höher gelegene Altstadt. Fünf Minuten per pedes von unserer Wohnung entfernt verbringen wir fast jeden Abend dort. Schöne Boutiquen, nette Lokale und überall korsische Spezialitäten. Luftgetrocknete Würste und Schinken, Schafskäse, Oliven und Wein, aber auch Seifen und Korkartikel, die sich gut als Mitbringsel eignen. Auf dem Kirchplatz genießen wir unseren ersten Pastis und schauen uns die Touristen an. Außer ein paar Amerikanern sind es ausnahmslos Franzosen, die hier ihren Urlaub verbringen.

Ich empfinde es als sehr angenehm mal kein deutsches Wort zu hören und fühle mich wirklich wie im Urlaub.

Ausflug nach Zonza und Corte

Von Porto Vecchio aus unternehmen wir viele Ausflüge in die Berge. Circa 86 % Korsikas ist Bergland und man beachte: Korsika hat 50 Zweitausender zu bieten. Alle Achtung! Der kleine Ort Zonza im Bavella Massiv ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderer und bekannt für seine Wildschwein-Spezialitäten (Asterix Leser sind hier jetzt klar im Vorteil). Um nach Zonza zu gelangen fährt man in nord-westlicher Richtung nach L’Ospedale, an einem großen See entlang.

Die Fahrt ist malerisch und die kurvenreiche Strecke beschert uns immer wieder ganz wundervolle Aussichten auf die Berge.

Korsika, Frankreich, Reisen, Tauchen, StrandurlaubIch entdecke die berühmten schwarzen Schweine, die Lieferanten für Coppa – ein in Salz und Wein eingelegter Rollschinken aus Schweinenacken; und Lonzu, das mild geräucherte, gepfefferte Schweinefilet, das hauchdünn geschnitten serviert wird.

Wir fahren auf der Küstenstraße nach Norden zum Etang de Diane, dem berühmten Lagunensee, in dem man Austern und Muscheln züchtet. Von dort geht es weiter nach Corte. Dort angekommen sehe ich als erstes die Statue des korsischen Staatsmann Pascal Paoli, der die Stadt von 1755 bis 1769 zur Hauptstadt Korsikas machte. Paoli gründete auch die erste und einzige Universität Korsikas. Unser Bummel durch die Altstadt bringt uns zu einem Aussichtspunkt, von dem man die Zitadelle gut fotografieren kann. Diese thront über der malerischen Altstadt und beherbergt heute das Museum.

Die erste Woche in Korsika vergeht wie im Flug. Wir reisen weiter nach Bonifacio in den Süden. Auf dem Weg entdecke ich ein Relikt der 70er Jahre: einen FKK Camping-Platz, den ich hier leider nicht beschreiben kann, da wir ihn nicht besuchen. 😉 Die berühmten Strände Palombaggia und St. Giulia sind traumhaft und äusserst beliebt. Hier findet man kaum einen Parkplatz, denn hinter den Stränden liegen viele Camping-Plätze; ich sehe ein paar Wohnwagen aus Deutschland mit dem ‚Corsica Ferries‘ Aufkleber. Aber auch hier kann ich keine großen Hotelanlagen entdecken, sondern nur niedrige Villen in großen Gärten, die von Trockenmauern umgeben sind.

Bonifacio und FestiLumi

Trotz aller Bilder, die ich von Bonifacio kenne, verschlägt es mir bei der Ankunft die Sprache. Der Blick vom Hafen auf die Festung ist atemberaubend imposant. Und noch etwas stimmt mich erwartungsvoll: am Abend findet das FestiLumi statt – das alljährliche Lichtspektakel in der Oberstadt.

Songes d'Ete, Korsika, Reisetipp, Urlaub, Europa, FrankreichBonifacio ist ein winziges Städtchen und so sind wir nicht erstaunt, dass unsere Unterkunft mit dem klangvollen Namen Songes d’Ete (Sommernächte) vier Kilometer außerhalb liegt. Und wieder bin ich total angetan. Patrick und Sophie, unsere Gastgeber, haben ein kleines Paradies geschaffen. Umgeben von Macchia liegt ihr Anwesen abseits einer kleinen Straße. Vier liebevoll ausgestattete Chalets umgeben einen blau schimmernden Swimming Pool, vier weitere liegen etwas abseits. In lauschigen Ecken stehen große Sonnenbetten. Patrick, er ist der zweite Bürgermeister Bonifacios, spricht sogar ein wenig Englisch und erklärt uns die Sehenswürdigkeiten und die besten Strände der Gegend. Der Strand von Canettu – und was uns besonders interessiert: der Strand von Cala Lunga, dort liegt die Tauchbasis.

Aber erst mal zum FestiLumi. Nachdem wir vom Hafen aus die Treppen zur Oberstadt erklommen haben, senkt sich die Dämmerung und wir folgen den Leuchtgebilden in die winzigen Gassen. Das Motto des Festivals in diesem Jahr ist: „Lassen Sie sich von magischen Laternen führen“. Über den Gässchen hängen unzählige bunt-schimmernde Glaslaternen, die den Weg zur nächsten Illumination zeigen. Wir sehen die Stadt-Fee an verschiedenen Ecken der Häuser, lichtgestaltete Vögel, die über die Mauern huschen, und Kirchen, auf die Kerzenbilder und Botschaften projiziert werden. Manche der Illuminationen werden von Musikern untermalt. Türme erstrahlen und zerfallen scheinbar anhand der monumentalen Videoprojektion. Eine magische Atmosphäre liegt über der Oberstadt.

Tauchen mit Merou

Und genauso magisch wie das Fest ist der Rest unseres Aufenthalts in Bonifacio. Die Tauchgänge zu den, unter Naturschutz stehenden, Lavezzi Inseln und dem berühmten Tauchplatz Merouville machen diesen Urlaub unvergesslich. Merouville – die Stadt der Zackenbarsche macht seinem Namen alle Ehre. Hier finden wir in 30 Metern Tiefe eine ganze Horde dieser friedlichen Riesen. Einer mag mich ganz besonders und folgt mir während des ganzen Tauchgangs. Es sind Momente wie dieser, für die ich mir eine Unterwasserkamera wünsche.

Den Abschluss unserer fantastischen zwei Wochen ist ein Abendessen bei ‚Chez Jules‘. Ein Tipp meines Vaters, der mit meiner Mutter schon vor 40 Jahren von dem jungen Koch aus Sardinien und dessen Restaurant begeistert war. Natürlich habe ich ehrliche Bedenken, ob das Restaurant nach 40 Jahren überhaupt noch existiert. Aber ich staune nicht schlecht, denn Stella d’Oro, wie das Restaurant heute heißt, ist ein Feinschmeckerlokal mit Auszeichnung und bedient werden wir von Jules Schwester. Wie ohfamoos ist das denn?

Die zwei Wochen im Süden der Insel haben mich überzeugt. Ich komme wieder um den Rest der Insel zu erforschen! Korsika strahlt eine ohfamoose Ruhe aus, die sich auch auf mich gelegt hat. Tiefenentspannt wie lange nicht mehr, komme ich in Deutschland an.

Tolle Infos eines Korsika Afficionados findet Ihr hier.

Fotos: privat und Pixaybay (Titel)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.