Wahlkampf mit Kind – Danke, Frauke Petry!

Ihr habt es vermutlich gelesen, vielleicht auch die Fotos gesehen: Eine Frau, die sich ihr wenige Wochen altes Baby an die Wange drückt. Ich habe die AfD-Chefin nicht sofort erkannt – vielleicht weil sie nicht wie sonst in die Kameras giftet. Erst als ich die Artikel dazu lese, wird mir klar, was los ist. Verstehe ich, dass da gerade ein winziges Baby politisch instrumentalisiert wird. Wahlkampf mit Kind, wie perfide, Frau Petry!

Weiteres geht mir durch den Kopf. Zum einen erinnere ich mich an Gespräche mit meinem früheren Arbeitskollegen Alex. Er, selbst Vater, warnte mich als Erster davor, Kinder-Fotos in Netz zu stellen. Mindestens zehn Jahre ist das her. Längst sehe ich es genauso wie er: Wann immer man Fotos von sich mit anderen in die Öffentlichkeit bringt, sollte man jene andere fragen – auch und gerade seine eigenen Kinder. Wir dürfen bezweifeln, dass das wenige Wochen alte Petry-Söhnchen freudestrahlend „Ja, ich will“ geantwortet hat.Frauke Petry, Afd, Politik, Baby, Babyfoto

Zum anderen fällt mir auf, dass wir auf ohfamoos in dreieinhalb Jahren bewusst nur einmal direkt über die AfD geschrieben haben. Da dürfen wir uns heute einmal so richtig aufregen über so viel Hinterlist.

Denn das ist es in meinen Augen: Kaltschnäuzig, sein Kind politisch derart einzusetzen.

An den Kopf gefasst habe ich mich, als der heutige Außenminister Gabriel seine Familie zur Amtseinführung mit brachte und manche das als Beweis dafür erachteten, wie verbunden er doch mit ihr sei. Überhaupt frage ich mich stets, wie Politiker, die eigentlich jeden 2. Tag verreisen, das wohl machen. Natürlich sage ich nicht, sie liebten ihre Kinder nicht, wie könnte ich. Aber sich richtig Zeit für den Nachwuchs zu nehmen, das sieht wohl anders aus.

Es ist wahrlich an der Zeit aufzustehen

Gut, auch Frauke Petry behauptet das auf ihrem Plakat nicht. Sie twittert nur, es sei „an der Zeit aufzustehen und für unser Land Flagge zu zeigen“. Dass sie für diese Erkenntnis zum fünften Mal Mutter werden musste, nun ja. Aber ich gebe ihr gern Recht: Es ist wahrlich Zeit – vor allem wenn man mit ihrer, der AfD-Strategie konfrontiert wird.

Eine Mutter, die ihr Kind ohne Not so schutzlos freigibt, dass später, wenn der Spross älter ist, jeder Spielkamerad das Babyfoto googeln und sich lustig darüber machen kann – eine solche Mutter passt für mich ins Bild einer Partei, die nicht nur im Wahlkampf alles tun würde um Macht zu erlangen.

Da hat nicht jemand, unvorsichtig und trunken vor Freude über ein Neugeborenes, ein hübsches Foto gepostet, von dem man später denkt: Ach hätte ich besser nicht… Nein, das ist pure politische Strategie.

Da wird ein kleiner Mensch, kaum ist er auf der Welt, plakatiert, egal was er später einmal fühlen wird. Kann man seine eigene Gefühlskälte deutlicher demonstrieren?

Ja, Frau Petry, es ist wahrlich längst an der Zeit, aufzustehen und sich für unser Land einzusetzen. Kinder sollten tatsächlich eine Zukunft haben. Eine ohne die AfD. Deshalb danken wir von ohfamoos für soviel Ehrlichkeit in ihrem Wahlkampf: Ihr Plakat zeigt haargenau, wem man eben NICHT vertrauen kann.

PS: Im September werden wir übrigens auf ohfamoos gleich mehrere Artikel bringen, die sich mit der Bundestagswahl auseinandersetzen. Wenn Ihr hier Wünsche habt, was wir recherchieren sollten, nur zu. Wir lesen Eure Kommentare stets mit Genuss!

Foto: unsplash (Ray Hennessy)

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