Grün in die Stadt – und Jamaika für den Bund?

Leben im Grünen weckt Assoziationen. Mit Grün verbinden wir Wachstum und Regeneration. Grün symbolisiert Hoffnung, ja sogar Unsterblichkeit. All das geistert mir im blond gesträhnten Haar herum als ich diesen Beitrag stricke. Denn ich habe die Initiative ‚Grün in die Stadt’ kennengelernt. Seitdem grüßt mich jeden Morgen ein kleiner Birnbaum auf meinem Küchenbalkon. 1000 Obstbäume wurden verschenkt. Und ich frage mich und die Leser: Wieviel Grün passt in unsere aktuelle politische Landschaft? Ist Jamaika so unmöglich?

Bleiben wir bei der Farbe. Grün ist die Farbe der Mitte. Auf einer Website über die Bedeutung von Farben lerne ich: „In seiner vollendeten Neutralität zwischen allen Extremen, wirkt es beruhigend, ohne zu ermüden. Die Farbe Grün fördert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Toleranz und Zufriedenheit.

Als Farbe balanciert Grün aus

Holla, die Waldfee. Ich lese weiter und erfahre, dass Grün in der medizinischen Farbtherapie sogar als Farbe gilt, „die den Rhythmus von Herz und Nieren ausbalanciert.“ Noch erstaunlicher der Blick  auf Asien, denn dort gilt offenbar:

In China ist die Farbe Grün (wie Schwarz) dem weiblichen Yin, dem passiven, empfangenden Prinzip, zugeordnet; Gelb dagegen dem männlichen Yang, dem aktiven, schöpferischen Prinzip.

Grün in der Politik – „Keiner von uns hat Jamaika gewollt“

Farben gibt es ja auch in der Politik und grün wollen ja irgendwie alle sein. Deshalb schaue ich in den Blog von Robert Habeck, der stellvertretender Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein ist. Unbekannter als Trittin oder Roth – um mal zwei Grüne zu nennen, die mir übrigens so überhaupt nicht liegen. Habeck, der statt Cem Özdemir fast Spitzenkandidat der Grünen geworden wäre, macht dagegen derzeit eine bessere Figur, auch bundespolitisch. Über sich selbst sagt der vierfache Vater und leidenschaftliche Schriftsteller: „Wir können nicht nicht politisch sein.“

Und über schwarz-gelb-grün – also Jamaika, die es in Schleswig-Holstein seit diesem Jahr gibt – schreibt Habeck in seinem Blog: „Keiner von uns hat Jamaika gewollt, und ich selbst habe (…) gesagt, dass ich nicht sehe, wie solch ein Bündnis zustande kommen kann. Und nach dem Wahlabend gilt das mehr denn je. Aber es geht nicht mehr darum, nur das zu tun, was man sich von Anfang an vorstellen kann. Wir sind eine politische Partei.

Eine politische Partei ist kein Selbstzweck, sondern hat die Aufgabe, die Wirklichkeit zu gestalten. Aus demokratischen Gründen meine ich, dass wir Jamaika sondieren müssen. Ernsthaft, nicht taktisch.“

Was wäre Hamburg ohne sein Grün?

Ernsthaft – auch ‚Grün in die Stadt’  will als Initiative des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) viel bewirken. Mittels einer Roadshow durch zehn deutsche Städte wurde klar: Parks und Grünflächen sind weit mehr als Wohlfühlfaktoren. Und dafür will man viel Geld springen lassen. Beschlossen ist: Der Bund stattet Kommunen mit jährlich 50 Millionen Euro aus, explizit für städtisches Grün.

Als ich das Thema in einer unserer ohoo-Telkos anspreche, kommentiert das  meine Kollegin Cornelia Lütge, die Grünste in unserem ohfamoosen Team, wie folgt:

„Eine Investitionssumme von über 50 Millionen Euronen durch den Bund ist beachtlich. Was wäre zum Beispiel Hamburg ohne sein Grün? Das hat man auch in der Hafencity begriffen und schnell viele Bäume und Büsche ins architektonische Beton-Hipster-Viertel gepflanzt.“

Die Initiative ‚Grün in die Stadt’ verfolgt bis 2020 unter anderem folgende Ziele:

  • Jeder Bürger soll nicht weiter als 300 Meter bis zur nächsten Grünfläche entfernt wohnen.
  • Die Etats für Bau- und Instandhaltung öffentlicher Grünflächen in den Kommunen sollen um zehn Prozent steigen.
  • Jede Großstadt ab 100.000 Einwohner soll in einem eigenen Klimaschutzkonzept die Potenziale von Grünflächen für eine klimafreundliche Stadt berücksichtigen.
  • Die Neuinanspruchnahme von Flächen soll auf 30 Hektar am Tag begrenzt werden. Langfristig soll sogar ein Netto-Null-Ziel angestrebt werden.

Heere Ziele. Abschließend noch mal ein Blick auf die Politik in Land und Bund. Und auf Jamaika, die Option, die gerade nach der Bundestagswahl diskutiert wird. So stark, dass die Satireseite Der Postillon konstatiert, der Karibikstaat habe beschlossen, „die Farben der seit 1962 bestehenden Landesflagge von Schwarz-Gelb-Grün in Weiß-Blau-Magenta zu ändern.“Jamaika

An einem Punkt, wo wir noch nie waren

Robert Habek beendet seinen eingangs erwähnten Blogbeitrag mit folgenden Worten, denen wir uns von ohfamoos gern anschließen:

„Wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem wir noch nie waren. Aber: Sind wir nicht dazu, Wege auch dort zu finden, wo wir noch nie waren?“

Übrigens: In Schleswig-Holstein haben die Grünen mit +2,6% bei der Bundestagswahl den stärksten Zuwachs in allen Ländern. Trotz oder wegen Jamaika?

 Mehr über Jamaika in Schleswig-Holstein

Mehr über ‚Grün in die Stadt’!

Und wer sich am grössten Online-Park Deutschlands beteiligen möchte, kann Teil dieser grünen Initiative werden! Einfach ein Foto hochladen und dabei sein. Pro Foto wächst der Park um 64qm (so groß war jeder Pop-up-Park der Roadshow). Über 10.000qm wurden bereits erreicht, der erste echte Baum wird bald gepflanzt. Die Initiative will auf jeden Fall noch die 20.000 erreichen…

Fotos: Privat, unsplash, pixabay

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