Wunder gibt es immer wieder

Ihr wisst ja, dass sich Elke im Düsseldorfer Norden, wo sie wohnt, in der Flüchtlingshilfe engagiert. Kürzlich konnte sie noch die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch interviewen. Jetzt hat sie von einem kleinen Wunder erfahren…

Kürzlich bekam ich eine Whatsapp einer Nachbarin. Die Dame ist solo, über 70 und engagiert sich sehr für ihre Mitmenschen. Ihre Nachricht an mich:

„Hallo liebe Elke, ich möchte Dich bitten, F.*/Team Kultur anzurufen. Er hat eine Wohnung für einen Flüchtling gefunden und etwas Sensationelles erlebt. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass Du darüber berichten solltest, nur eine Idee von mir – aber ich bin sicher, Du hörst von ihm ein kleines Wunder…“

Ich hatte gerade eine andere, wenig wundervolle Geschichte zu verdauen, die ich auf Facebook habe runter schreiben müssen. Selten habe ich SO VIEL Feedback dazu bekommen…  Eine kleine Diskussion mit einem Mann hatte ich angezettelt, denn ich konnte es nicht ertragen, wie er bei uns im Dorf vor der Bäckerei Kamps saß und böse über Ausländer schimpfte. Von mir angesprochen gab er nur weiter zum Besten, dass er eigentlich gar keine persönlich kenne, die aber alle „weg“ sollten, zurück, egal wohin. Das alles in lautstarkem Pöbelton und an einem Ort, wo 80% Muslime arbeiten, denn der mit mir befreundete Kamps-Zweigstellenleiter ist selbst aus Bosnien geflohen. Seitdem stellt Dino bewusst Menschen aus anderen Kulturkreisen ein. Solche z.B., die aus Aleppo oder Kabul fliehen mussten.

Mir laufen Tränen über die Wangen

F. ist ein anderes Kaliber als der selbstgefällige Senior, dessen kleines Hündchen auch immer kläfft, wenn er unter dem Kaffeetisch einen fremden Hund entdeckt. F. dagegen ist ein Mann, dem es gut geht, der anderen hilft und der in der Flüchtlingshilfe Angermund auch deshalb ein angesehener Mann ist. Er möchte nicht viel Aufsehen machen, aber nach dem Entree der Dame, die mir den Tipp gab, telefoniert F. bereitwillig mit mir. Und – mir laufen mir die Tränen über die Wangen vor so viel Rührung.

Passiert ist etwas, was selbst in Zeiten von Wohnungsknappheit immer wieder passiert: Dass Menschen für andere eine Wohnung finden. Fast jede Flüchtlingshilfe hat solche Leute, die fleißig Annoncen studieren, im Internet recherchieren und manchmal auch fündig werden. F. hatte eines Tages mal wieder Glück – und mit ihm ein syrischer Mann, den er bereits seit fast 2 Jahren kennt. Der in diese Wohnung nun zusammen mit seiner Frau, die kurz zuvor aus Syrien zu ihrem Mann ziehen durfte, bewohnen wird.

Das Wundervolle kommt aber erst noch!

Am Tag des Einzugs, F. war dabei, kommen die drei vor die Wohnungstür, wo bereits eine Welcome-Fußmatte liegt. Sie freuen sich über ein so nettes Symbol. Drinnen aber erleben sie erst das wirkliche Wunder – und man muss/darf F. 5 Minuten zuhören, bis er alles aufgezählt hat.

Obstschale und Tagesdecken – selbst die Zahnbürste fehlt nicht

gemütliches Sofa

Es beginnt mit – alles immer nagelneu, nicht irgendwo auf einem Flohmarkt erstanden – zwei Sofas im Wohnzimmer auf denen auch die Tagesdecken nicht fehlen. Auf dem Beistelltisch eine große Schale mit frischem Obst. Es hängen Gardinen, ein Fernseher steht parat. Auch die Küche: Ausgestattet. Komplett mit Kühlschrank, selbst das Putzzeug fehlt nicht, Staubsauger inklusive. Die Betten im Schlafzimmer, „riesig allein von der Fläche, bestimmt 2m breit“, erinnert sich F., der es immer noch fast nicht fassen kann, wie behaglich die Wohnung von den (privaten) Vermietern ausgestattet wurde. Auch hier liegen Tages/Wolldecken, im Bad fehlen selbst die Zahnbürsten nicht.

Ob er nicht doch in einem Hotel gelandet sei, will ich wissen, und ich höre fast, wie F. am anderen Ende der Leitung zustimmend lächelt.

Ich könnte mehr aufzählen, aber ich glaube die Botschaft ist klar. Hier haben herzensgute Menschen für andere ein kleines Paradies geschaffen. Diesen Leuten ist nicht egal, wie ihre künftigen Mieter hier ankommen. Sie möchte daraus „keine große Sache“ machen, aber sie haben F. unmissverständlich gesagt:

„Uns geht es so gut, wir möchten davon anderen etwas abgeben.“

Und noch gut zu wissen: Diese Vermieter, die übrigens selbst Kinder/Familie haben, verfügen über weitere Wohnungen. Sie haben F. bereits signalisiert ihn wieder zu kontaktieren wenn etwas frei wird.

Wir von ohfamoos können über soviel Güte „nur“ sagen: Super gemacht! Würden alle auch nur einen Bruchteil dieser Freundlichkeit ausstrahlen – die Welt sähe anders aus!

 

* Der uns bekannte Name wurde bewusst abgekürzt!

Fotos: unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.