Wir trinken nicht zu viel Alkohol. Ehrlich?

Alkohol – ist gesellig, lockert die Zunge, entspannt. Soweit zu den guten Seiten. Wer ihm verfällt, kann darüber nur böse lachen. Jetzt gibt es einen Alkoholatlas, der erstaunliche Sachen enthüllt. Elke und Cornelia greifen ein Thema auf, das gerade an Festtagen aktueller denn je ist, und haben eine Ärztin befragt: Ab wann ist Alkoholkonsum schädlich?

Kürzlich berichtete eine von Elkes Freundinnen: Das Treffen bei den neuen Nachbarn sei nicht besonders gewesen. „Erst gegen halb sieben haben wir mal ein Glas Wein getrunken.“ Mann, sei das eine trockene Veranstaltung gewesen, lacht sie – und Elke denkt: Stimmt. Auch sie merkt seit geraumer Zeit: Viele Besucher nehmen gern und schnell ein erstes Gläschen. So gesellig. Und zu feiern gibt es ja immer was…

Das schlechte Gewissen trinkt mit

Alkohol, ein Dauerbrenner. Wann beginnt Abhängigkeit? Wenn man jeden Abend ein Glas Wein trinkt? Wir von ohfamoos kennen nur wenige Menschen, die so gut wie KEINEN trinken. Oft aber trinkt das schlechte Gewissen mit…

Googelt man das Thema, findet sich – viel. Natürlich Hinweise, dass GELEGENTLICHER Alkoholkonsum weitgehend unbedenklich sei, größere Mengen jedoch bedenklich. Doch wer entscheidet, wann es mehr ist als eine Gelegenheit? Und was ist eine große Menge?

Alkoholatlas warnt: Risikofaktor Krebs

Der Alkoholatlas Deutschland, den das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) erstellt hat um auf die „Bedeutung von Alkohol als Risikofaktor für Krebs und zahlreiche andere Erkrankungen“ hinzuweisen, gibt Aufschluss. Gewarnt wird vor schwerwiegenden Folgen „riskanten Alkoholkonsums für die Gesellschaft“. Verursache dieser Konsum doch direkte und indirekte Kosten von rund 39 Milliarden Euro im Jahr. Dem gegenüber stünden Einnahmen durch die Alkoholsteuer von nur 3,2 Milliarden Euro.

Wer trinkt nun und in welchem Maße? Im Alkoholatlas heißt es:

„Riskanter Alkoholkonsum ist in gehobenen sozioökonomischen Schichten stärker verbreitet als etwa unter Arbeitslosen.“

Darüber hinaus gebe es enorme regionale Unterschiede beim Trinkverhalten und bei den gesundheitlichen Folgeschäden. Und das DKFZ stellt darüber hinaus bei Erwachsenen in allen Altersgruppen einen „deutlicher Zusammenhang zwischen Sozialstatus und Häufigkeit des Alkoholkonsums“ fest. Bezogen auf die Gruppe von Frauen mit hohem Sozialstatus heißt es: Rund die Hälfte trinke mindestens wöchentlich Alkohol – „und 21 Prozent trinken wöchentlich sogar riskante Mengen.“

Ein Problembewusstsein sei bei vielen Konsumenten nicht vorhanden. Auch wenn jährlich mehr als 20.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben, wie die Drogenbeauftragte Marlene Mortler warnt, und etwa 10.000 Kinder jedes Jahr alkoholgeschädigt auf die Welt kommen sowie etwa 2,65 Millionen Kinder mindestens einen alkoholkranken Elternteil haben.

Perfide Verharmlosung

Manche veralbern das Thema auch. So titelte die ze.tt: „Wie euch Alkohol helfen kann, Fremdsprachen besser zu sprechen“. Drinks würden die Zunge lockern, das sei doch gerade bei Fremdsprachen cool. Erst ein Schnäpschen, dann das Vokabelheft zücken?

Oder stilisieren ihn hoch zum Kult. So hat die Sportschuhmarke Kangaroos in Kooperation mit Jägermeister einen Luxus-Sneaker in limitierter Auflage auf den Markt gebracht, grün-orange natürlich. Ein fast perfides Signal, meint Cornelia. „Wie passen Alltags- oder Sportschuhe und Hochprozentiges zusammen? Soll es jetzt etwa lässig sein, sich täglich Kräuterschnaps zu gönnen?!“, wundert sie sich. Das Magazin NEON fand folgende Worte: „Alkohol an den Füßen. Was für eine Schnapsidee!“

Alkohol ist KEIN Hilfsmittel

Überhaupt – Alkohol sollte Cornelias Überzeugung nach sehr bewusst genossen werden. Schließlich ist es ein Nerven- und Zellgift! „Das Marketing zielt fast immer auf die Schwächen der Konsumenten ab. Bessere Laune, coolere Gesellschaft, geilere Erlebnisse, schillernde Feste, exklusivere Partys. Unternehmen denken an den Absatz, nicht an ihre soziale Verantwortung!“, empört sie sich. Dabei genießt sie selber sehr gerne guten Wein; kocht auch mal damit.

„Es gibt für mich immer diese Regel beim Genuss von Alkohol: Nie, um besser drauf zu sein!“

Wohl auch, weil sie in ihrer Familie erlebt habt, welche Auswirkungen eine vorübergehende Alkoholkrankheit hat.

Was also verführt Menschen dazu, wider besseres Wissens, so mächtig über den Durst zu saufen oder in eine unbemerkte Abhängigkeit hineinzuschlittern? Neben der Verharmlosung, mehr noch, dem Kult- oder Coolnessfaktor ist es die eigene Bedürftigkeit. Nach Zugehörigkeit, Lockerheit, Heiterkeit, Ausgelassenheit, nicht fühlen, mehr fühlen. Sogar eine Belohnungsfunktion haben das Feierabendbierchen oder der gemütliche Vino am Freitagabend „Wir müssen uns eigentlich immer erst fragen ‚Warum will ich jetzt Alkohol zu mir nehmen‘ und dann bewusst einschenken“, meint Cornelia. Ein gesundes Maß hat in jedem Fall etwas mit der individuellen Konstitution und Lebenssituation zu tun. Was passiert, wenn Menschen ihr Maß aus den Augen verlieren und wieder trocken werden, zeigt der einfühlsame Film „7 Tage trocken“.

Wann ist Alkoholkonsum risikoarm?

Übrigens: Die Düsseldorfer Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, Regine Jahn, hat uns auf Anfrage darüber informiert, wann Alkoholkonsum risikoarm ist – und wann nicht mehr. Die Tagesgrenzwerte von riskantem Alkoholkonsum lägen bei Männern bei über 24 g bzw. bei Frauen bei über 12 g Alkohol. 24 g Alkohol entspricht 0,6 Liter Bier bei Männern, Frauen können demnach, risikoarm, 0,3 Liter Bier trinken.

Zusätzlich spielten noch weitere Faktoren eine Rolle – wie genetische Prädisposition und weitere existente Risikofaktoren (z.B. Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck). Und Jahn verweist darauf, dass Menschen sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon haben, was „gelegentlicher Alkoholkonsum“ sei: „Heißt das z.B. einmal pro Woche oder Monat?“

Wie haltet Ihr es mit ihm, dem Alkohol?

Fotos: Unsplash

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