Hooping: Lifestyle oder Sucht?

Während ihrer Backpacker-Reise durch Asien musste Hanna (19) viele Entscheidungen treffen. Alleine, jeden Tag. Eine Entscheidung mit nachhaltiger Konsequenz spülte sie ans Ufer einer indonesischen Insel. Die war so klein, dass man sie in 90 Minuten mit dem Fahrrad umkreisen konnte. Genau diese kreisrunde Form hatte auch ein Gegenstand, den sie dort wiederfand: Ein Hula Hoop. Erinnerungen an Plastikreifen aus Kinderzeiten wurden wach … Hier Hannas Bericht zur Sucht namens Hooping, das gerade ein Comeback feiert.

Auf der Suche nach einer Unterkunft traf ich auf Iuny, ein ebenfalls alleine reisendes Mädchen. Zusammen wird man eher fündig, und so verbrachten wir unsere Zeit auf der Insel Gili Air gemeinsam. Den weißen Schlauch, befestigt an ihrem Backpack, hielt ich zuerst für ein Tauchutensil. Doch war er ein Hula Hoop Reifen, den man auf Reisen zu einer zweikreisigen Spirale zusammenschieben kann. Als ich klein war, spielte ich auch mit Reifen dieser Art, doch Iuny ließ ihn nicht nur um Hüften, auch um Brust, Hals und Schultern kunstvoll kreisen. Barfuß stand auch ich bald im Staub der Erde vor unserer Hütte. Nur: Trotz meiner großzügigen Bewegungen – er blieb nie lange oben …

EBali_hooping_hoopen_hulaines Abends besuchten wir Freunde von Iuny auf einer Nachbarinsel. Ein Dutzend einheimischer Jungs, die ein Reggae Konzert gaben, und Vanessa, eine junge Schweizerin, ebenfalls mit Hula Hoop im Gepäck. Als die Band “Could you be loved” spielte, tanzte sie mit ihm und die kommenden paar Minuten waren das Beste, was mir passieren konnte. Vanessa ließ den Reifen um den Körper und in der Luft kreisen und vollführte zahlreiche Kunststücke, wobei sie sich entspannt, lässig, elegant, weich, schwingend, fließend und im Takt zur Musik bewegte.

Dieser “Hoop Dance”, wie man ihn nennt, hat mich komplett verführt. Der Wunsch, eines Tages auch so tanzen zu können, lässt mich bis heute nicht los. Zurück in Deutschland, kaufte ich mir sofort meinen ersten Hula Hoop Reifen – seitdem bin ich verrückt danach.

Was ist das Geheimnis des Hoop Dance? Die einen wollen sich mit dem Reifen die Figur schlanker hoopen, die anderen ihn für Tanzeinlagen einsetzen. Im Handel sind: schwerere Fitness Hula Hoop Reifen, gezielt für Fitnessübungen hergestellt; und leichtere, kleinere Reifen, mit denen man sich mehr Bewegungsfreiheit ertanzt.

“Je mehr Haut im Kontakt mit dem Reifen steht, desto leichter ist es ihn oben zu halten.”

Der Hoop Dance vereint also Tanz und Fitness. Das macht ihn immer beliebter: Er kombiniert – wie das Motto einer bekannten Youtube Hoop-Lehrerin lautet – “Fitness, Hotness, Sexyness”. Ja, eine gewisse Erotik schwinkt bei diesen Becken-Bewegungen natürlich mit. Man unterstreicht das durch’s Outfit. Je mehr Haut im Kontakt mit dem Reifen steht, desto leichter ist es.

Was in den 50er Jahren angefangen hat, ist heute mehr als nur Hula Hoopen. Nur ein Hype? Fakt ist: Für viele ist es schon Lifestyle. Es verbindet Körper und Geist, bringt sie in Einklang, oft in Verbundenheit mit Yoga. In Workshops, wie dem der “Sacred Circularites” auf Bali, kann man sich dem Hoopen eine Woche lang gemeinsam mit anderen “Hoopies” hingeben. Wem das alles zu viel ist, der kann es sich auf Youtube mit zahlreichen “Tutorials” ganz einfach selber beibringen.

Man lässt den Reifen zuerst um die Hüften kreisen. Versteht der eigene Körper diese Grundbewegung einmal, ist er bereit für viele weitere Tricks. Es gibt einfache, die man nach wenigem Ausprobieren schon gut ausführen kann; um schwierige zu erlernen, braucht man Monate oder sogar Jahre.

“Man grinst, jauchzt, freut sich und probiert es gleich nochmal aus.

Der Moment, wenn ein neuer Trick das 1. Mal funktionert, ist ein Glücksgefühl: Man grinst, jauchzt, freut sich und probiert es gleich nochmal aus. Manche genießen gerade die Stille beim workout, andere haben am liebsten Musik dazu. In der Natur lässt es sich am besten hoopen – man hat genügend Freiraum und der Draht zu Mutter Erde trägt zur Entspannung der Seele bei.

Noch eine tolle Sache: Hula Hoop eignet sich für jedes Alter. Ganz egal ob jung oder alt, groß oder klein, dick oder dünn; es bereichert in jeder Lebenslage. Also nichts wie ran an die Reifen!

Gastautorin Hanna Forgber hat 2013 Abi gemacht, war danach erst jobben, dann reisen. Von ihrer fast halbjährigen Auszeit in Asien brachte sie die Leidenschaft Hooping mit. Hanna lebt in der Nähe von München und geht bald zum Studium wieder in die weite große Welt.

Eine runde Sache – interessante Links im Netz:

  • Ein Online Shop, wo man in Deutschland handgemachte Hula Hoops erwerben kann – Hanna hat ihren dort gekauft.
  • Die Community mit dem gewissen „Ohm-Faktor“
  • Jeder kann mitmachen – egal wie alt und wie fit

Autor und Fotos: Hanna Forgber

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